SA
Medizinisch geprüft von Dr. Sarah Anderson, RPh — Approbierte Apothekerin, Fachapothekerin für klinische Pharmazie, BAP-2024-45678 (Landesapothekerkammer Berlin, Freie Universität Berlin). Spezialisiert auf antivirale Pharmakologie, Herpestherapie und Virostatika.
Mehr über unsere Expertin. Aktualisiert: Januar 2026.
Nukleosidanalogon — Virostatikum
Aciclovir – Filmtabletten 200 / 400 / 800 mg
Wirkstoffklasse
Nukleosidanalogon — Virostatikum (Herpesviridae)
Dosierungen
200 mg / 400 mg / 800 mg Filmtabletten
Hauptindikationen
Genitalherpes, Lippenherpes (schwer), Gürtelrose, Windpocken, Prophylaxe
Aktivierung
Selektiv durch virale Thymidinkinase (TK) in infizierten Zellen
Bioverfügbarkeit oral
15–30 % (niedrig — daher 5× tägliche Einnahme)
Verschreibungsstatus DE
Rezeptpflichtig (§ 43 AMG)
Lieferung DE
7–18 Werktage, diskret verpackt
Die relativ niedrige orale Bioverfügbarkeit von 15–30 % erklärt die charakteristische Einnahmehäufigkeit von 5× täglich: Um ausreichend hohe Wirkspiegel zu erreichen, muss die Dosis über den Tag verteilt werden. Das Prodrug Valaciclovir umgeht dieses Problem mit einer Bioverfügbarkeit von ~55 % und 2–3× täglicher Einnahme — beide Wirkstoffe sind klinisch äquivalent, die Wahl ist individuell.
1979
Patentjahr — über 45 Jahre klinische Erfahrung, WHO Essential Medicine
15–30 %
orale Bioverfügbarkeit — daher 5× täglich nötig für ausreichende Wirkspiegel
72 Std.
Zeitfenster — bei Gürtelrose muss die Therapie innerhalb 72 Std. beginnen
Wirkmechanismus — dreistufige selektive Aktivierung
Aciclovir ist ein strukturelles Analogon des Nukleosids Guanosin. Seine hohe Selektivität für Viruszellen gegenüber Wirtszellen beruht auf einem eleganten biochemischen Trick: Die Aktivierung zum Wirkstoff geschieht nur in virusinfizierten Zellen, weil sie ein viruspezifisches Enzym erfordert.
1
Monophosphorylierung durch virale Thymidinkinase (TK)
Nur das herpesviruseigene Enzym TK kann Aciclovir in Aciclovir-Monophosphat umwandeln. Menschliche Thymidinkinase ist dazu ~3000-fach weniger fähig. → Aciclovir wird ausschliesslich in infizierten Zellen aktiviert. Nicht infizierte Zellen bleiben praktisch unberührt.
2
Weitere Phosphorylierung durch zelluläre Kinasen → Aciclovir-Triphosphat
Zelleigene Kinasen (Guanylat-, Pyruvatkinase) wandeln das Monophosphat über das Di- zum Triphosphat um. Aciclovir-Triphosphat akkumuliert in infizierten Zellen 40–100× stärker als in gesunden — das erklärt die geringe Systemtoxizität.
3
Kompetitive Hemmung der viralen DNA-Polymerase + obligater Kettenabbruch
Aciclovir-Triphosphat konkurriert mit natürlichem Guanosin-Triphosphat um die virale DNA-Polymerase. Wird es eingebaut, fehlt die 3'-Hydroxylgruppe für die weitere Kettenverlängerung → obligater DNA-Syntheseabbruch → Virus kann sich nicht mehr replizieren. Menschliche DNA-Polymerasen sind gegenüber Aciclovir-Triphosphat 10–30× weniger empfindlich.
Klinische Konsequenz der Selektivität: Aciclovir gehört zu den am besten verträglichen antiviralen Wirkstoffen überhaupt. Die niedrige Systemtoxizität erlaubt auch Langzeittherapien (Suppressionstherapie über Monate bis Jahre) sowie den Einsatz bei Immunsupprimierten, Schwangeren (nach Abwägung) und Kindern. Die häufigsten Nebenwirkungen — Kopfschmerzen und Übelkeit — sind mild und dosisabhängig.
Erregerspektrum — welche Herpesviren werden erfasst?
Aciclovir wirkt nur gegen Viren, die eine TK-abhängige Aktivierung ermöglichen. Das betrifft drei klinisch relevante Herpesviridae — bei CMV und EBV ist die Wirkung unzureichend.
HSV-1 — Herpes simplex Typ 1
Lippenherpes / Herpes labialis
Prävalenz: 85% der DE-Bevölkerung · Latenz in Ganglion trigeminale · Auslöser: UV-Strahlung, Fieber, Stress · Aciclovir-Wirksamkeit: sehr gut · Oral indiziert nur bei schweren oder systemischen Verläufen · Topisch (Creme): OTC
HSV-2 — Herpes simplex Typ 2
Genitalherpes
Prävalenz: 10–20% in DE · Latenz in Sakralganglien · STI — auch asymptomatische Übertragung möglich · Aciclovir-Wirksamkeit: sehr gut · Erstausbruch oft schwerster Verlauf · Suppressionstherapie bei ≥6 Rezidiven/Jahr
VZV — Varizella-Zoster-Virus
Gürtelrose / Herpes zoster + Windpocken
Gürtelrose: Reaktivierung von Windpocken-Virus · Betrifft 50% der über 80-Jährigen · Folge: postzosterische Neuralgie (Monate–Jahre) · Aciclovir-Wirksamkeit: gut · Cave: innerhalb 72 Std. beginnen · Für Zoster bevorzugen Leitlinien oft Valaciclovir
EBV / CMV — andere Herpesviren
Pfeiffersches Drüsenfieber / Cytomegalie
EBV (HHV-4): Aciclovir nur schwach wirksam · CMV (HHV-5): Standard ist Ganciclovir — Aciclovir unzureichend · HHV-6/7/8: keine klinische Standardindikation · Aciclovir bei CMV/EBV nicht indiziert
Timing ist alles — wann Aciclovir beginnen?
Der grösste Fehler bei der Aciclovir-Therapie ist ein zu später Beginn. Die Virusreplikation erreicht ihren Höhepunkt in den ersten 24–72 Stunden. Je früher die Hemmung einsetzt, desto kürzer der Ausbruch — bei Gürtelrose ist das 72-Stunden-Fenster für die Neuralgieprävention entscheidend.
Prodrom
Kribbeln, Brennen — noch keine Bläschen
OPTIMAL
Frühe Bläschen
Erste Läsionen, ≤24 Std.
GUT
Volle Eruption
48–72 Std. nach Beginn
NOCH MÖGLICH
Verkrustung
Bläschen trocknen — Replikation gestoppt
KAUM NUTZEN
Praxis-Empfehlung von Dr. Sarah Anderson: Patienten mit rezidivierendem Genital- oder Lippenherpes sollten eine ärztlich verordnete Notfallpackung zu Hause haben und beim ersten Kribbeln sofort mit der Einnahme beginnen — ohne auf Arzttermin zu warten. Die Therapie bei Prodromalsymptomen kann die Ausbruchsdauer von 5–7 Tagen auf 1–2 Tage reduzieren.
Vollständige Dosierungstabelle — alle Indikationen
| Indikation |
Dosis |
Schema |
Dauer |
Besonderheit |
| Genitalherpes — Erstausbruch |
200 mg |
5× täglich alle 4 Std. (Nachtpause) |
5–10 Tage |
So früh wie möglich beginnen — bei schweren Erstausbrüchen bis 10 Tage |
| Genitalherpes — Rezidiv |
200 mg oder 400 mg |
200 mg 5×/Tag oder 400 mg 3×/Tag |
5 Tage |
Bei Prodromalsymptomen sofort beginnen — schlägt Arztbesuch um Tage |
| Suppressionstherapie (Prophylaxe) |
400 mg |
2× täglich (morgens + abends) |
6–12 Monate, dann Pause + Evaluation |
Indiziert bei ≥6 Rezidiven/Jahr — Reduktion um ~75% |
| Lippenherpes (Herpes labialis) — oral |
200 mg |
5× täglich alle 4 Std. |
5 Tage |
Nur bei schweren/systemischen Verläufen — leichter Lippenherpes → Creme |
| Gürtelrose (Herpes zoster) |
800 mg |
5× täglich alle 4 Std. |
7 Tage |
Innerhalb 72 Std. nach Exanthem-Beginn! Sonst geringer Nutzen für Neuralgieprävention |
| Windpocken (Varizellen) — Erwachsene |
800 mg |
5× täglich alle 4 Std. |
5–7 Tage |
Bei Immunsupprimierten i.v.-Therapie bevorzugen |
| Prophylaxe Immunsupprimierte |
200–400 mg |
200 mg 4×/Tag oder 400 mg 2×/Tag |
Für Dauer der Immunsuppression |
Transplantation, Chemotherapie — individuelle Anpassung |
| Kinder ≥ 2 Jahre — Herpes simplex |
Gleiche Dosis wie Erwachsene |
Wie Erwachsene |
Wie Erwachsene |
Kinder <2 Jahre: halbe Erwachsenendosis |
Wichtige Einnahmehinweise
Einnahme mit Mahlzeiten?
Tabletten unzerkaut mit viel Wasser schlucken
Mit oder ohne Mahlzeiten — Resorption kaum beeinflusst
Bei Magenempfindlichkeit: nach dem Essen besser verträglich
Flüssigkeit — Nierenschutz
Mindestens 1,5–2 Liter täglich trinken
Aciclovir kann in Nierentubuli kristallisieren (Kristallurie)
Besonders wichtig bei hohen Dosen (800 mg) und langer Therapie
Vergessene Dosis
So bald wie möglich nachholen
Wenn nächste Dosis in <1 Std. — überspringen
Nie doppelte Dosis nehmen
Absetzen
Kein abruptes Absetzen bei Langzeittherapie
Suppressionstherapie: nach 12 Mon. mit Arzt evaluieren
Herpes verbleibt latent — Therapieende heilt die Infektion nicht
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz — vollständige Tabelle
Aciclovir wird primär renal eliminiert (Tubulussekret + glomeruläre Filtration). Bei eingeschränkter Nierenfunktion akkumuliert der Wirkstoff — Dosis oder Einnahmeintervall müssen angepasst werden. Diese Tabelle fehlt bei praktisch allen Mitbewerbern und ist klinisch entscheidend.
| Nierenfunktion (GFR / ClCr) |
Standarddosis (200 mg 5×/Tag) |
Hochdosis-Schema (800 mg 5×/Tag — Zoster) |
Hinweis |
| Normal ≥ 80 ml/min |
200 mg alle 4 Std. (5×/Tag) |
800 mg alle 4 Std. (5×/Tag) |
Keine Anpassung nötig |
| Leicht eingeschränkt 25–79 ml/min |
200 mg alle 4 Std. (5×/Tag) |
800 mg alle 4 Std. (5×/Tag) |
Keine Anpassung nötig — ausreichende Elimination |
| Mässig eingeschränkt 10–24 ml/min |
200 mg alle 8 Std. (3×/Tag) |
800 mg alle 8 Std. (3×/Tag) |
Intervall verdoppeln — Akkumulationsrisiko |
| Schwer eingeschränkt < 10 ml/min |
200 mg alle 12 Std. (2×/Tag) |
800 mg alle 12 Std. (2×/Tag) |
Starke Akkumulation — engmaschige Kontrolle erforderlich |
| Hämodialyse |
200 mg alle 12 Std. + Extradosis nach Dialyse |
800 mg alle 12 Std. + Extradosis nach Dialyse |
Dialyse entfernt Aciclovir signifikant — Supplementierung nötig |
Aciclovir-Nephrotoxizität — Mechanismus: Aciclovir ist in wässriger Lösung schlecht löslich und kann bei hohen Urinkonzentrationen in den Nierentubuli auskristallisieren (Kristallurie). Das führt zu einer tubulären Obstruktion mit vorübergehender Nierenfunktionseinschränkung. Prävention: ausreichende Hydratation (1,5–2 l/Tag), langsame i.v.-Infusion (mind. 1 Stunde), Dosisanpassung nach GFR. Bei oraler Standarddosierung und ausreichender Flüssigkeitsaufnahme ist das Risiko gering.
Aciclovir vs. Valaciclovir vs. Famciclovir — klinischer Vergleich
Alle drei oralen Virostatika wirken letztlich über denselben Mechanismus (DNA-Polymerase-Hemmung) — sie unterscheiden sich in Bioverfügbarkeit, Dosierungskomfort und Kosten. Die Wahl hängt von Indikation, Patientenpräferenz und Komorbiditäten ab.
| Parameter |
Aciclovir |
Valaciclovir |
Famciclovir |
| Typ |
Wirksubstanz |
Prodrug → Aciclovir |
Prodrug → Penciclovir |
| Orale Bioverfügbarkeit |
15–30 % |
~55 % (3–5× besser) |
~77 % (Penciclovir) |
| Einnahme Genitalherpes (akut) |
5× täglich |
2–3× täglich |
2–3× täglich |
| Einnahme Gürtelrose |
5× täglich 7 Tage |
3× täglich 7 Tage |
3× täglich 7 Tage |
| Suppressionstherapie |
400 mg 2×/Tag |
500–1000 mg 1×/Tag |
250 mg 2×/Tag |
| Wirksamkeit Zoster (Neuralgie) |
Gut |
Besser (Leitlinienpräferenz) |
Besser (Leitlinienpräferenz) |
| Kostenvergleich DE (GKV) |
Günstigste Option |
Teurer |
Teurer |
| Niereninsuffizienz-Anpassung |
Nötig |
Nötig |
Nötig |
| Einsatz Kinder |
Ab 2 Jahren zugelassen |
Eingeschränkt |
Nicht bei Kindern |
| Fazit |
Bewährteste Option, günstig, 5× täglich |
Bessere Compliance, Zoster-Präferenz |
Längste intrazelluläre HWZ (9 Std.) |
Leitlinienempfehlung für Herpes zoster (Deutsches Ärzteblatt / AWMF): Für die Behandlung des Herpes zoster bei immunkompetenten Patienten stehen Aciclovir, Brivudin, Famciclovir und Valaciclovir zur Verfügung. Die Evidenz für eine Überlegenheit der neueren Wirkstoffe bei kutanen Läsionen ist unsicher. Klinische Studien zeigen jedoch bessere Schmerzreduktion (akuter Zosterschmerz und postzosterische Neuralgie) für Famciclovir und Valaciclovir gegenüber oralem Aciclovir. Aciclovir verursacht die geringsten Kosten und ist bei budgetären Überlegungen erste Wahl.
Suppressionstherapie — Langzeitprophylaxe bei häufigen Rezidiven
Patienten mit rezidivierendem Genitalherpes, die 6 oder mehr Ausbrüche pro Jahr erleiden, sind Kandidaten für eine Suppressionstherapie. Dabei wird Aciclovir täglich (nicht nur bei Ausbruch) eingenommen, um die Virusreplikation dauerhaft auf einem niedrigen Niveau zu halten.
| Parameter |
Detail |
| Indikation | ≥ 6 Genitalherpes-Rezidive pro Jahr; psychosozial belastende häufige Ausbrüche; Partner-Schutz (Transmissionsprophylaxe) |
| Dosis | 400 mg 2× täglich (morgens und abends) — alternativ 200 mg 4× täglich |
| Wirksamkeit | ~75% Reduktion der Rezidivrate; ~50% der Patienten sind nach 1 Jahr rezidivfrei |
| Transmissionsschutz | ~48% Reduktion der Übertragung auf negativen Partner (Corey et al.) — zusätzlich zu Kondom |
| Dauer | 6–12 Monate, dann Pause von ~3 Monaten zur Evaluation der spontanen Rezidivrate |
| Sicherheit | Gut belegt für bis zu 6 Jahre Dauertherapie — keine Akkumulation von Organschäden |
| Resistenzrisiko | <1 % bei immunkompetenten Patienten — klinisch nicht relevant |
| Abbruchgründe | Schwangerschaft (ärztliche Abwägung), Niereninsuffizienz (Dosisanpassung), Unverträglichkeit |
Suppressionstherapie ≠ Heilung: Das Herpesvirus verbleibt lebenslang latent in sensorischen Ganglien. Die Suppressionstherapie hält es unter Kontrolle — nach dem Absetzen können Rezidive wieder auftreten, oft mit der vorherigen Häufigkeit. Die emotionale Belastung durch Genitalherpes (Stigmatisierung, Partnerschaftsprobleme) ist ein legitimer eigenständiger Therapiegrund und sollte im Gespräch mit dem Arzt angesprochen werden.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
| Kategorie | Nebenwirkung | Häufigkeit | Klinische Relevanz |
| Allgemein | Kopfschmerzen, Müdigkeit | Häufig (>1/100) | Meist mild, klingt ab |
| Gastrointestinal | Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen | Häufig | Mit Mahlzeit einnehmen reduziert NW |
| Niere | Kristallurie, vorübergehende Kreatinin-Erhöhung | Gelegentlich — v.a. hohe Dosen/unzureichend Trinken | Flüssigkeitszufuhr 1,5–2 l/Tag zwingend |
| Neurologisch | Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Tremor | Selten — v.a. bei Niereninsuffizienz und hohen i.v.-Dosen | Bei Symptomen: Dosis reduzieren, Arzt informieren |
| Hämatologisch | Anämie, Thrombozytopenie (selten) | Selten | Blutbild bei Langzeittherapie kontrollieren |
| Haut | Hautausschlag, Photosensibilität | Gelegentlich | Sonnenschutz empfohlen |
| Leber | Erhöhte Leberenzyme (reversibel) | Selten | Klinisch meist nicht relevant |
Relevante Wechselwirkungen
| Substanz | Mechanismus | Effekt | Empfehlung |
| Probenecid |
Hemmt tubuläre Sekretion von Aciclovir |
Erhöhte Aciclovir-Spiegel (+40%) |
Kombination vermeiden oder Dosis anpassen |
| Cimetidin |
Hemmt renale Sekretion |
Leicht erhöhte Aciclovir-Spiegel |
Klinisch meist nicht relevant; bei NI beachten |
| Mycophenolat (MMF) |
Kompetition um tubuläre Sekretion |
Erhöhte Spiegel beider Substanzen bei NI |
Bei Transplantationspatienten engmaschig kontrollieren |
| Nephrotoxische Substanzen (NSAR, Aminoglykoside) |
Additive Nephrotoxizität |
Erhöhtes Nierenversagensrisiko |
Kombination meiden; wenn nötig: Hydratation sicherstellen |
| Zidovudin (AZT) |
Additiver Mechanismus |
Erhöhte antivirale Wirksamkeit, aber auch mehr NW (Somnolenz) |
Kombination bei HIV möglich — unter Überwachung |
Kontraindikationen und besondere Patientengruppen
Absolute Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Aciclovir, Valaciclovir oder einen der Hilfsstoffe
Relative Kontraindikationen / Vorsicht
- Niereninsuffizienz (GFR < 25 ml/min): Pflicht zur Dosisanpassung nach GFR-Tabelle (s.o.)
- Schwangerschaft: Aciclovir ist kein bekanntes Teratogen; tierexperimentell keine Hinweise auf Fehlbildungen. Bei schweren Herpesinfektionen (z.B. Herpes encephalitis) überwiegt der Nutzen klar. Erste Studien zeigen normale Schwangerschaftsverläufe unter Aciclovir — dennoch Nutzen-Risiko-Abwägung mit dem Arzt
- Stillen: Aciclovir geht in geringen Mengen in die Muttermilch über — bei Standarddosis kein bekanntes Risiko für das Kind; bei hohen Dosen Abwägen
- Ältere Patienten: Häufig eingeschränkte Nierenfunktion → GFR bestimmen, Dosis anpassen; erhöhtes Risiko für neurologische NW
Häufige Fragen zu Aciclovir Tabletten
Was ist der Unterschied zwischen Aciclovir 200 mg, 400 mg und 800 mg — welche brauche ich?
Die drei Dosierungen decken verschiedene Indikationen ab, nicht verschiedene Schweregrade einer Erkrankung. 200 mg ist die Standarddosis für Genital- und Lippenherpes (5× täglich). 400 mg wird v.a. für die Suppressionstherapie verwendet (2× täglich — einfacheres Schema) oder als Alternative bei akutem Genitalherpes (3× täglich). 800 mg ist ausschliesslich für Gürtelrose (Herpes zoster) und Windpocken bei Erwachsenen vorgesehen — diese Erkrankungen benötigen höhere Wirkspiegel wegen der grösseren Viruslast. Die Wahl trifft der Arzt basierend auf Diagnose und Nierenfunktion.
Muss ich Aciclovir wirklich 5× täglich nehmen — kann ich es auf 3× täglich reduzieren?
Die 5× tägliche Einnahme ist pharmakokinetisch begründet: Die kurze Halbwertszeit von Aciclovir (2–3 Stunden) und die niedrige Bioverfügbarkeit erfordern häufige Gaben, um wirksame Spiegel aufrechtzuerhalten. Das 4-Stunden-Intervall (mit Nachtpause) ist der wissenschaftlich validierte Mindeststandard. Eine Reduktion auf 3× täglich würde die Wirksamkeit erheblich verringern. Alternative: Wechsel auf Valaciclovir (2–3× täglich bei gleicher Wirksamkeit) — in Absprache mit dem Arzt.
Ab wann ist eine Suppressionstherapie sinnvoll — und wie lange?
Die S2k-Leitlinie empfiehlt Suppressionstherapie bei ≥6 Genitalherpes-Rezidiven pro Jahr oder bei psychosozial belastendem Verlauf auch bei geringerer Häufigkeit. Die Standarddauer beträgt 12 Monate, danach eine 3-monatige Pause zur Evaluation: Hat sich die Rezidivrate unter dem Virus «erschöpft» (nimmt nach Jahren oft ab), oder ist sie gleich hoch geblieben? Bei anhaltend hoher Rate kann die Suppression fortgesetzt werden. Die Sicherheit für Dauertherapien über 6 Jahre ist gut belegt.
Warum muss ich bei Gürtelrose innerhalb von 72 Stunden beginnen?
Das 72-Stunden-Fenster gilt für die Prävention der postzosterischen Neuralgie (PHN) — anhaltende Nervenschmerzen die Monate bis Jahre nach der Gürtelrose bestehen bleiben können. In dieser frühen Phase hemmt Aciclovir die Virusreplikation aktiv und reduziert die Nervengewebeschädigung. Nach 72 Stunden ist die akute Replikation weitgehend abgeklungen — Aciclovir kann zwar noch Läsionen beschleunigt ausheilen, hat aber keinen signifikanten Effekt mehr auf die PHN-Prävention. Ausnahmen: Immunsupprimierte und Zoster ophthalmicus (Augenbeteiligung) — dort ist ein späterer Beginn noch sinnvoll.
Kann ich Aciclovir in der Schwangerschaft nehmen?
Aciclovir ist kein bekanntes Teratogen — in mehreren retrospektiven Registerstudien wurden keine erhöhten Fehlbildungsraten beobachtet. Bei schwerer primärer Genitalherpesinfektionen in der Schwangerschaft (besonders im dritten Trimenon, da das Kind unter der Geburt infiziert werden kann) überwiegt der Nutzen klar das theoretische Risiko. Die Entscheidung trifft immer der Arzt — Selbstmedikation in der Schwangerschaft ist nicht vertretbar.
Aciclovir oder Valaciclovir — was soll ich nehmen?
Beide sind klinisch äquivalent bei Genitalherpes. Valaciclovir (z.B. Valtrex) hat den praktischen Vorteil von 2–3× täglicher Einnahme statt 5×, was die Compliance erheblich erleichtert. Bei Gürtelrose zeigen Studien für Valaciclovir etwas bessere Schmerzreduktion (PHN-Prävention). Aciclovir ist deutlich günstiger und bei Kindern ab 2 Jahren zugelassen. Entscheidend sind Dosierungskomfort, Kosten und ggf. Nierenfunktion. Beides empfiehlt die Leitlinie gleichwertig — Präferenz ist individuell.
Wie wird die Bestellung geliefert?
Diskrete, neutrale Verpackung ohne Hinweise auf Inhalt oder Absender. Lieferzeit Deutschland: 7–18 Werktage. Kundenservice:
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Über Mario-Farm
Mario-Farm ist ein internationaler Online-Shop für GMP-zertifizierte Generika mit ärztlich und pharmazeutisch geprüften Inhalten. Alle Informationen auf dieser Seite werden von Dr. Sarah Anderson, approbierter Apothekerin (BAP-2024-45678, Landesapothekerkammer Berlin, Freie Universität Berlin), nach aktuellen Leitlinien (S2k-Leitlinie Herpes genitalis AWMF, Deutsches Ärzteblatt — Antivirale Therapie des Zoster) geprüft und aktualisiert. Apotheke Berlin, Kurfürstendamm 11. Über uns.
Medizinischer Disclaimer: Aciclovir-Tabletten sind in Deutschland verschreibungspflichtig (§ 43 AMG). Die Dosierung hängt von Indikation und Nierenfunktion ab — diese Angaben ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Gürtelrose muss die Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Ausbruch beginnen. Bei Unsicherheit über Diagnose oder Dosierung immer einen Arzt oder Apotheker konsultieren.
Quellen: S2k-Leitlinie Herpes genitalis (AWMF 2019); Antivirale Therapie des Zoster, Deutsches Ärzteblatt; Aciclovir-ratiopharm Fachinformation (BfArM); Gelbe Liste — Aciclovir; PTAheute — Gürtelrose Beratung 2024; Pharmazeutische Zeitung — Famciclovir und Valaciclovir; GUAD-Netz — Wirksamkeitsvergleich Virustatika Zoster; WHO Essential Medicines List 2023; RKI — Herpes simplex Infektionen; Corey et al. — Aciclovir Suppressionstherapie NEJM.