Gesund als Familie: Essen, Bewegung, Schlaf und Vorsorge in Deutschland

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen zur Gesundheit im Familienalltag in Deutschland. Er ersetzt keine Untersuchung. Im Notfall wählen Sie 112, außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Gesundheit entsteht vor allem im Alltag: was auf den Tisch kommt, wie viel man sich bewegt, wie gut man schläft und ob man rechtzeitig zur Vorsorge geht. Große Programme braucht es dafür nicht. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was für Familien in Deutschland gut belegt ist und welche Untersuchungen die gesetzliche Krankenkasse bezahlt.

Fünf Grundlagen für die ganze Familie

1. Essen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine überwiegend pflanzliche Kost: viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, wenig Wurst und rotes Fleisch, wenig Zucker und Salz, als Getränk vor allem Wasser. Für Kinder gilt dasselbe, nur in kleineren Portionen. Gemeinsame Mahlzeiten ohne Bildschirm helfen Kindern, ein gutes Gefühl für Hunger und Sättigung zu entwickeln.

2. Bewegung

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten mäßige Bewegung pro Woche, zum Beispiel zügiges Gehen oder Radfahren, dazu zweimal wöchentlich Kräftigung. Kinder und Jugendliche sollten sich täglich im Schnitt mindestens eine Stunde bewegen. Der Weg zur Schule zu Fuß oder mit dem Rad zählt mit.

3. Schlaf

Erwachsene brauchen meist sieben bis neun Stunden, Schulkinder deutlich mehr. Feste Schlafzeiten, ein dunkles, kühles Zimmer und keine Bildschirme in der Stunde vor dem Schlafen helfen allen Altersgruppen.

4. Seelische Gesundheit

Stress, Einsamkeit und Sorgen zeigen sich oft körperlich: Kopf- oder Bauchschmerzen, schlechter Schlaf, Gereiztheit. Reden Sie in der Familie darüber, wie es allen geht. Wenn Niedergeschlagenheit oder Ängste über Wochen anhalten, ist der Hausarzt eine gute erste Adresse. In Krisen hilft die TelefonSeelsorge kostenlos und rund um die Uhr: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer: 116 111.

5. Vorsorge und Impfungen

Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) gehören zu den wirksamsten Maßnahmen überhaupt. Den Impfstatus der ganzen Familie können Sie beim Hausarzt oder Kinderarzt anhand der Impfpässe prüfen lassen.

Welche Vorsorge die Krankenkasse bezahlt

Gesetzlich Versicherte haben in Deutschland Anspruch auf eine Reihe von Früherkennungsuntersuchungen. Die wichtigsten im Überblick:

Für wenUntersuchungWie oft
Kinder und JugendlicheU1 bis U9, J1 (12 bis 14 Jahre)zu festen Zeitpunkten, gelbes Kinderuntersuchungsheft
Erwachsene 18 bis 34Gesundheits-Check-upeinmal
Erwachsene ab 35Gesundheits-Check-up (Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Urin)alle drei Jahre
Ab 35Hautkrebs-Screeningalle zwei Jahre
Frauen ab 20Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung20 bis 34 jährlich, ab 35 alle drei Jahre mit HPV-Test
Frauen 50 bis 75Mammographie-Screeningalle zwei Jahre, mit Einladung
Männer ab 45Prostata- und Genitaluntersuchungjährlich
Frauen und Männer ab 50Darmkrebs-FrüherkennungStuhltest alle zwei Jahre oder Darmspiegelung
Männer ab 65Ultraschall der Bauchschlagadereinmal

Die Einzelheiten können sich ändern. Aktuelle Informationen finden Sie bei Ihrer Krankenkasse und auf gesund.bund.de.

Welche Vorsorge steht mir zu?

Geben Sie Alter und Geschlecht an. Sie sehen, welche Untersuchungen die gesetzliche Krankenkasse in Ihrem Alter grundsätzlich vorsieht. Das ist eine Übersicht, keine persönliche Empfehlung.

Gesundheit in verschiedenen Lebensphasen

Kinder: Die U-Untersuchungen und Impfungen nach STIKO sind die Basis. Kinder lernen Gewohnheiten von den Eltern, gemeinsames Kochen und Bewegung wirken mehr als Verbote. Für Bildschirmzeit gibt es Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die mit dem Alter gestaffelt sind.

Jugendliche: Die J1 ist ein guter Anlass, über Impfungen (zum Beispiel HPV), Verhütung, Alkohol und Rauchen zu sprechen. Viele Jugendliche reden darüber lieber mit dem Arzt als mit den Eltern, und das ist in Ordnung.

Erwachsene: Blutdruck, Blutzucker und Gewicht im Blick behalten, nicht rauchen, Alkohol in Maßen. Der Check-up ab 35 erkennt Bluthochdruck und Diabetes oft, bevor sie Beschwerden machen.

Ältere Menschen: Bewegung und Krafttraining beugen Stürzen vor. Lassen Sie den Medikationsplan regelmäßig überprüfen, besonders wenn Sie fünf oder mehr Arzneimittel nehmen. Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose und Corona werden für ältere Menschen von der STIKO empfohlen.

Sexuelle Gesundheit gehört dazu

Über Sexualität wird in Familien selten gesprochen, dabei hängt sie eng mit der allgemeinen Gesundheit zusammen. Erektionsstörungen bei Männern können ein frühes Zeichen für Gefäßerkrankungen oder Diabetes sein, Schmerzen beim Sex bei Frauen ein Hinweis auf hormonelle Veränderungen oder Infektionen. Beides gehört zum Arzt, nicht in die Schublade. Mehr dazu in unseren Beiträgen Sex nach 60 und Sexuelle Ängste bei Männern und Frauen. Wenn ein Arzt ein Potenzmittel verordnet, finden Sie Informationen zu den Wirkstoffen etwa auf der Seite Viagra Generika (Sildenafil).

Häufige Fehler im Familienalltag

  • Antibiotika „vorsichtshalber“ nehmen oder Reste aufbrauchen: Sie helfen nicht gegen Viren und fördern Resistenzen.
  • Arzneimittel von anderen Familienmitgliedern nehmen: Dosis und Gegenanzeigen sind individuell.
  • Vorsorgetermine verschieben, weil man sich gesund fühlt: Genau dafür sind sie da.
  • Abgelaufene Medikamente in der Hausapotheke aufbewahren. Einmal im Jahr aussortieren.
  • Kinder bei Fieber mit Erwachsenen-Dosierungen behandeln. Kinder brauchen Dosierungen nach Gewicht.

Die Hausapotheke

Eine Grundausstattung umfasst Verbandsmaterial, ein Fieberthermometer, ein Schmerz- und Fiebermittel in einer für Kinder und Erwachsene geeigneten Form, ein Mittel gegen Durchfall, Desinfektionsmittel und die persönlichen Dauermedikamente. Bewahren Sie alles kühl, trocken und für Kinder unerreichbar auf. Bei Vergiftungsverdacht helfen die Giftinformationszentren der Länder, zum Beispiel in Berlin unter 030 19240.

Sofort 112 bei Atemnot, Brustschmerz, Anzeichen eines Schlaganfalls (hängender Mundwinkel, Lähmung, Sprachstörung), Bewusstlosigkeit, starken Blutungen oder schweren allergischen Reaktionen. Bei Fieber, Infekten oder Schmerzen außerhalb der Sprechzeiten: 116 117.

Häufige Fragen

Was kostet der Gesundheits-Check-up?

Für gesetzlich Versicherte nichts. Ab 35 steht er Ihnen alle drei Jahre zu, zwischen 18 und 34 einmal.

Wo sehe ich, welche Impfungen fehlen?

Im Impfpass. Ihr Hausarzt oder Kinderarzt gleicht ihn mit den aktuellen STIKO-Empfehlungen ab.

Wie viel Bewegung brauchen Kinder?

Im Durchschnitt mindestens eine Stunde täglich, gern mehr. Spielen draußen zählt.

Ab wann zur Darmkrebs-Vorsorge?

Frauen und Männer ab 50 können zwischen Stuhltest und Darmspiegelung wählen. Bei Darmkrebs in der Familie kann früher sinnvoll sein, fragen Sie Ihren Arzt.

Wen rufe ich nachts an, wenn das Kind Fieber hat?

Den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Atemnot, Krampfanfall oder wenn das Kind kaum ansprechbar ist, die 112.

Brauchen gesunde Menschen Nahrungsergänzungsmittel?

Bei ausgewogener Ernährung meist nicht. Ausnahmen wie Folsäure in der Schwangerschaft oder Vitamin D bei Säuglingen besprechen Sie mit dem Arzt.

Quellen: gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (Früherkennung), Gemeinsamer Bundesausschuss, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Ständige Impfkommission (STIKO), Weltgesundheitsorganisation. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.


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